» Die Poesie ist die Aussicht
aus dem Krankenzimmer des Lebens. «

» Er ist ein besonderer Freund
       – von Feinden. «

» Ein Kind sei euch heiliger als die
   Gegenwart, die aus Sachen
     und Erwachsenen besteht. «

» Ein Rathhaus gehört zum Hausrath
       einer Stadt. «

» Auf der Welt ist alles natürlich,
       ausgenommen die Welt selber. «

» Man kommt leichter zu jedem
     andern als zu sich. «

» Entwirf beim Wein,
         exekutiere beim Kaffee. «

» Eine Demokratie ohne ein paar hundert Widersprechkünstler ist undenkbar. «

» Jeden Tag
     mache dich auf viele Wunder gefaßt. «

» Ich merke Namen so wenig,
daß ich oft vor dem Spiegel frage,
wie heißt der darin? «

     » Manches »Gesuchte« wäre es nicht,
        wenn der Verfasser mehr suchte. «

» Die größten Städte und Genies
sind unregelmäßig gebauet,
voll Sackgassen und Paläste. «

» Die Tat ist die Zunge des Herzens.«

» Bei Gott, alle Welt spricht,
und niemand kommt zu Wort. «

» Nichts ist fataler, als wenn gerade
die letzte Flasche altes Bier schlecht ist. «

» Die Bücher sind die
        stehende Armee der Freiheit. «

» Bücher sind nur dickere Briefe an Freunde. «

» Das Paradies verlieren
und den Paradiesvogel behalten. «

» Eine Blattlaus hat mehr Ahnen
   als ein Elephant. «

» Weiber sprechen lieber von,
          Männer in der Liebe. «

» Man verdirbt unter Leuten,
die einen nicht übertreffen. «

» Was alles Böses gegen das Bier
     bei Philosophen gesagt wird,
         gilt nicht bei mir. «

» Die Blumen schlafen,
         aber nicht das Gras. «

» Hätte ich keine Bücher zu schreiben: ich wäre der beste Ehemann. «

» Niemand hat weniger Ehrgefühl
      als eine Regierung. «

» Unter Denken eines bösen Gedankens
     auf der Gasse ehrerbietig gegrüßt werden. «

Martin Daske

2. Preis Sparte Radiophone Klangkunst

Martin Daske, Berlin

„… und er zerdrückte weinend das Wölkchen der Zeit“ (2012)

Ursendung am 1. Juni 2013, Hessischer Rundfunk, 23.05 Uhr, hr2-kultur

Martin DaskeMartin Daske, geboren 1962 in Berlin, erhielt seine kompositorische Ausbildung in den USA am Dartmouth College bei Christian Wolff, in Krakòw und am Mozarteum Salzburg bei Boguslaw Schaeffer. Er entwickelte neben seinem „normalen“ kompositorischen Schaffen (zuletzt: „sans paroles dans sables mouvants“ für Sextett, 2007) und „AquAria“ für Unterwassergesang – auf ein Konzept von Claudia Herr (2008) eine Form dreidimensionaler Notation („folianten“) und 2010 eine weitere („Notensetzen"). 2001 Gründung des Duos „Soundscrapers“ mit dem Berliner Philharmoniker Janne Saksala.

2002 erfolgte die Gründung des Duos „Die Klangschürfer“ mit dem Sprachkünstler Rainer Rudloff. Zahlreiche Hörspiele und andere Radioarbeiten (zuletzt: „no barking at any time“, 2006). Klanginstallationen, z.B. „memoiren eines echonebels“ (2010), Kinderhörspiele, Theater- und Filmmusiken (zuletzt: „Lunik", 2006/07) und „Je voudrais être légère" (Tanztheater, Marseille 2008/09). Seit 1989 ist er gemeinsam mit Rainer Rubbert künstlerischer Leiter der Konzertreihe "Unerhörte Musik" in Berlin. Seit 1993 betreibt Daske sein eigenes Produktionsstudio: tribord studio. CD-Veröffentlichungen bei WERGO, edel-records, dem Hörverlag, der Hörcompany und beim Baumhaus Verlag. Von 2006 bis 2012 war er auch Geschäftsführer der Initiative Neue Musik e.V. Berlin. Seit 2009 arbeitet er verstärkt für Ausstellungen, z.B. art forum berlin, artefiera bologna, art brussels, art amsterdam, Galerie Mario Mazzoli.

Werkkommentar
Nachdem ich den Text aus Jean Pauls „Hesperus“ ausgewählt hatte, habe ich mit zufällig ausgesuchten Klängen und Klangfetzen aus meinem Archiv die Komposition erstellt, mal leitete der Text, meist aber die Klänge. Ebene für Ebene, Schicht für Schicht, Schlag um Schlag verwob sich das Gebilde.

Traum Emanuels, daß alle Seelen eine Wonne vernichte

„Und der Engel des Endes öffnete die Arme weit und drückte das ganze Menschengeschlecht in eine Umarmung zusammen. – Da glimmt, duftet, tönt die ganze Au – da stocken die Sonnen, aber die Insel wirbelt sich selber um die Sonnen – die zwei gespaltnen Ich rinnen ineinander ein – die liebenden Seelen fallen aneinander wie Schneeflocken – die Flocken werden zur Wolke – die Wolke schmilzt zur dunkeln Träne. –

Die große Wonneträne, aus uns allen gemacht, schwimmt durchsichtiger und durchsichtiger in der Ewigkeit. –

Endlich sagte leise der Engel des Endes: Sie sind am süßesten vergangen an ihren Geliebten. –

Und er zerdrückte weinend das Wölkchen der Zeit. –"

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Jean Paul 2013 e.V.
Wahnfriedstraße 1
95444 Bayreuth

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