» Manches »Gesuchte« wäre es nicht,
        wenn der Verfasser mehr suchte. «

» Hätte ich keine Bücher zu schreiben: ich wäre der beste Ehemann. «

» Was alles Böses gegen das Bier
     bei Philosophen gesagt wird,
         gilt nicht bei mir. «

» Ich merke Namen so wenig,
daß ich oft vor dem Spiegel frage,
wie heißt der darin? «

» Weiber sprechen lieber von,
          Männer in der Liebe. «

» Eine Blattlaus hat mehr Ahnen
   als ein Elephant. «

» Das Paradies verlieren
und den Paradiesvogel behalten. «

» Die Bücher sind die
        stehende Armee der Freiheit. «

» Auf der Welt ist alles natürlich,
       ausgenommen die Welt selber. «

» Ein Kind sei euch heiliger als die
   Gegenwart, die aus Sachen
     und Erwachsenen besteht. «

» Bei Gott, alle Welt spricht,
und niemand kommt zu Wort. «

» Jeden Tag
     mache dich auf viele Wunder gefaßt. «

» Bücher sind nur dickere Briefe an Freunde. «

» Unter Denken eines bösen Gedankens
     auf der Gasse ehrerbietig gegrüßt werden. «

» Eine Demokratie ohne ein paar hundert Widersprechkünstler ist undenkbar. «

» Niemand hat weniger Ehrgefühl
      als eine Regierung. «

     » Die Poesie ist die Aussicht
aus dem Krankenzimmer des Lebens. «

» Die Blumen schlafen,
         aber nicht das Gras. «

» Die Tat ist die Zunge des Herzens.«

» Entwirf beim Wein,
         exekutiere beim Kaffee. «

» Ein Rathhaus gehört zum Hausrath
       einer Stadt. «

» Man verdirbt unter Leuten,
die einen nicht übertreffen. «

» Man kommt leichter zu jedem
     andern als zu sich. «

» Er ist ein besonderer Freund
       – von Feinden. «

» Nichts ist fataler, als wenn gerade
die letzte Flasche altes Bier schlecht ist. «

» Die größten Städte und Genies
sind unregelmäßig gebauet,
voll Sackgassen und Paläste. «

Eduard Berend (Hg.): Erinnerungen an Jean Paul

 

Berend Erinnerungen an Jean Paul 200  

 

 

 

Eduard Berend (Hg.): Erinnerungen an Jean Paul. En Face – Texte von Augenzeugen. Nimbus Kunst & Bücher. Wädenswil 2015.

 

       
514 Seiten    
Preis: 29,80 €    
ISBN: 978-3-907142-78-3    

Erscheinungsdatum: 2015

       

Der oberfränkische Fremdling, der nach harten Hungerjahren mit einem literarischen Sensationserfolg den Weimarer Parnass durcheinanderbrachte; das manische Lesetier, das mit enzyklopädischem Wissensdrang ganze Bibliotheken exzerpierte; der Mann gelebter Unvoreingenommenheit, dessen innigster Freund ein jüdischer Händler war; der kuriose Charmeur, dem adlige Damen zu Dutzenden verfielen, ohne seiner habhaft werden zu können; der Melancholiker, der wie kaum ein zweiter wagte, der eigenen Vergänglichkeit ins Auge zu blicken; der große Unabhängige, den Heidelberger Studenten mit einem Fackelzug als «Kämpfer für Freiheit und Recht» feierten; der bescheidene Biedermann, der täglich in einem Landgasthof bloß Kartoffeln aß; das Trinkgenie, das seine Texte im Wechsel stimulierender und beruhigender Essenzen entwarf; der Phantasiegigant, der alle literarischen Formen sprengte und in seinen Werken die Moderne vorwegnahm.

Die Liste außergewöhnlicher Eigenschaften ließe sich beliebig verlängern, doch wäre der Facettenreichtum von Jean Pauls Persönlichkeit damit nicht zu erschöpfen. Jean Paul (1763-1825) ist eine einzigartige Erscheinung in der deutschen Literatur, und schon zu Lebzeiten pilgerten die Neugierigen in Scharen zu ihm, um den Dichter wie ein Fabeltier zu bestaunen. Die Reaktionen, die sein unkonventionelles Wesen auslöste, waren reichlich kontrovers; den einen schien der «wie aus dem Mond gefallen» (so Schiller in einem Brief an Goethe), die anderen priesen ihn für seinen Witz und seine Herzenswärme; wieder andere sahen in ihm nur einen redseligen provinziellen Philister.

Die Zeugnisse, die sich zu Jean Pauls Leben erhalten haben, wurden von Eduard Berend, dem Herausgeber seines Gesamtwerks, bereits 1913 in einer ersten Sammlung zusammengetragen und publiziert; 1956 folgte eine stark erweiterte Neuauflage. Die vorliegende Ausgabe ist erstmals durchgängig mit zeitgenössischem Bildmaterial illustriert und bringt die Quellen auf den aktuellen bibliographischen Stand.

Zu entdecken ist damit einmal mehr eine der faszinierendsten Figuren der deutschen Geistesgeschichte.

 

 

 

 

back_start.jpg


Jean Paul 2013 e.V.
Wahnfriedstraße 1
95444 Bayreuth

E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!