» Man verdirbt unter Leuten,
die einen nicht übertreffen. «

     » Manches »Gesuchte« wäre es nicht,
        wenn der Verfasser mehr suchte. «

» Die größten Städte und Genies
sind unregelmäßig gebauet,
voll Sackgassen und Paläste. «

» Entwirf beim Wein,
         exekutiere beim Kaffee. «

» Das Paradies verlieren
und den Paradiesvogel behalten. «

» Man kommt leichter zu jedem
     andern als zu sich. «

» Jeden Tag
     mache dich auf viele Wunder gefaßt. «

» Er ist ein besonderer Freund
       – von Feinden. «

» Ein Kind sei euch heiliger als die
   Gegenwart, die aus Sachen
     und Erwachsenen besteht. «

» Bei Gott, alle Welt spricht,
und niemand kommt zu Wort. «

» Bücher sind nur dickere Briefe an Freunde. «

» Ein Rathhaus gehört zum Hausrath
       einer Stadt. «

» Weiber sprechen lieber von,
          Männer in der Liebe. «

» Die Blumen schlafen,
         aber nicht das Gras. «

» Unter Denken eines bösen Gedankens
     auf der Gasse ehrerbietig gegrüßt werden. «

» Die Bücher sind die
        stehende Armee der Freiheit. «

» Nichts ist fataler, als wenn gerade
die letzte Flasche altes Bier schlecht ist. «

» Eine Demokratie ohne ein paar hundert Widersprechkünstler ist undenkbar. «

» Eine Blattlaus hat mehr Ahnen
   als ein Elephant. «

     » Die Poesie ist die Aussicht
aus dem Krankenzimmer des Lebens. «

» Niemand hat weniger Ehrgefühl
      als eine Regierung. «

» Was alles Böses gegen das Bier
     bei Philosophen gesagt wird,
         gilt nicht bei mir. «

» Hätte ich keine Bücher zu schreiben: ich wäre der beste Ehemann. «

» Ich merke Namen so wenig,
daß ich oft vor dem Spiegel frage,
wie heißt der darin? «

» Auf der Welt ist alles natürlich,
       ausgenommen die Welt selber. «

» Die Tat ist die Zunge des Herzens.«

Jean Paul: Des Luftschiffers Giannozzo Seebuch

 

Giannozzo Wallstein 200  

 

Jean Paul: Des Luftschiffers Giannozzo Seebuch. Mit einem Nachwort von Norbert Miller. Herausgegeben, gestaltet und mit einer Nachbemerkung versehen von Klaus Detjen. Wallstein Verlag. Göttingen 2013.

      
96 Seiten    
Preis: 29,00 €    
ISBN: 978-3-8353-1198-5    
Erscheinungsdatum: März 2013  
      

Ein Reisebericht von hin- und mitreißender Erzähl- und Fabulierkunst

Jean Paul nimmt uns mit auf seine wundersamen, phantastischen Luftschiffs-Ausflüge, die über verschiedenste deutsche Landschaften und Städte bis zu den Schweizer Bergen führen. Dabei lässt er die Welt Revue passieren, und überzieht seine Landsleute mit allerlei Kritik, Hohn und Spott. Seinen zu vierzehn Fahrten gebündelten Reisebericht betitelt er mit »Matrosen-Almanach« oder »Luftschiffs-Journal«. Im Mittelpunkt steht sein Akteur Giannozzo, der zahlreichen skurrilen Begegnungen und grotesken Abenteuern ausgesetzt ist und ständig mit seinem Ballon gegen die schwer kalkulierbaren Elemente kämpft.

In einem Brief vom 23. Januar 1801 gesteht Jean Paul: »Ich bin […] wilder als sonst. Ich lege viele meiner Urteile einem über ganz Deutschland (in der Montgolfiere) wegschiffenden Giannozzo, einem wilden Menschenverächter, in den Mund, der bloß in seinem Namen spricht«.

Mit der zweispaltig angelegten Typographie des Textteils und darin wechselnden Höhen der Schriftblöcke, die den Raum der Seiten ständig ausmessen, zeichnet Klaus Detjen die Wolkenformationen der Himmels-Erlebnisse des Giannozzo nach. In einer besonderen, zweifarbig angelegten, über dreißig Seiten reichenden graphisch-typographischen Suite werden vierzehn Momente der Fahrten des Giannozzo aufgerufen, die als Illustrationen das visuelle Zentrum des Buches markieren.


Freiheitsluft gegen Kerkerbrodem – Jean Paul lässt seinen Ballonfahrer Giannozzo Spott und Hohn über die „drunten“ ausgießen – über eine Edition von Klaus Detjen
literaturkritik.de 04.06.2013

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Jean Paul 2013 e.V.
Wahnfriedstraße 1
95444 Bayreuth

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