» Unter Denken eines bösen Gedankens
     auf der Gasse ehrerbietig gegrüßt werden. «

» Weiber sprechen lieber von,
          Männer in der Liebe. «

» Niemand hat weniger Ehrgefühl
      als eine Regierung. «

» Entwirf beim Wein,
         exekutiere beim Kaffee. «

» Jeden Tag
     mache dich auf viele Wunder gefaßt. «

» Die Blumen schlafen,
         aber nicht das Gras. «

» Ein Rathhaus gehört zum Hausrath
       einer Stadt. «

     » Manches »Gesuchte« wäre es nicht,
        wenn der Verfasser mehr suchte. «

» Eine Demokratie ohne ein paar hundert Widersprechkünstler ist undenkbar. «

» Bei Gott, alle Welt spricht,
und niemand kommt zu Wort. «

» Das Paradies verlieren
und den Paradiesvogel behalten. «

» Die größten Städte und Genies
sind unregelmäßig gebauet,
voll Sackgassen und Paläste. «

     » Die Poesie ist die Aussicht
aus dem Krankenzimmer des Lebens. «

» Ein Kind sei euch heiliger als die
   Gegenwart, die aus Sachen
     und Erwachsenen besteht. «

» Man verdirbt unter Leuten,
die einen nicht übertreffen. «

» Nichts ist fataler, als wenn gerade
die letzte Flasche altes Bier schlecht ist. «

» Er ist ein besonderer Freund
       – von Feinden. «

» Man kommt leichter zu jedem
     andern als zu sich. «

» Die Tat ist die Zunge des Herzens.«

» Was alles Böses gegen das Bier
     bei Philosophen gesagt wird,
         gilt nicht bei mir. «

» Hätte ich keine Bücher zu schreiben: ich wäre der beste Ehemann. «

» Bücher sind nur dickere Briefe an Freunde. «

» Eine Blattlaus hat mehr Ahnen
   als ein Elephant. «

» Auf der Welt ist alles natürlich,
       ausgenommen die Welt selber. «

» Ich merke Namen so wenig,
daß ich oft vor dem Spiegel frage,
wie heißt der darin? «

» Die Bücher sind die
        stehende Armee der Freiheit. «

Die Natur – Schrecken und Trost. Jean Pauls Physikotheologie

 

von Prof. Dr. Walter Sparn

 

A. Kurze Texte

1. „O warum tröstest du mich nicht mehr, du unendlicher Himmel wie sonst, wo ich mein Auge zu dir wandte und auf deinen Sternen meine goldenen Tage und alles fand, was ich hatte? Warum bist du nur eine todte Sammlung von erdigen Kugeln und feuerspeienden Welten geworden?“ [Dichtungen 2, 1797; Ideen-Gewimmel Nr. 1459] Text

2. „Meine Naturliebe.
Wie man Thiere lieben darf, so darf ich doch auch die Natur lieben, nicht als eine Maschine und Mechanik –
Der warme Regen und die Blumen darunter sind mir nahe-lieb – eigentlich alles – und im Garten wir mir schwer, ein Leben zu tödten.-  Die Wolken liegen an meinem Herzen – jeder Regentropfen gehört meinem Auge – ich nehme dem Himmel und der Erde gar nichts übel – So ein langes Reden und Stammeln des Donners, ohne daß er etwas thut, ist mir gerade recht und ich lieb ihn deßhalb.-  Ich lebe in, nicht über den Wolken, bei dem Wetter, die Wolken gestalten mir die überirdischen Mächte und darum lieb’ ich sie.“ [Dichtungen 2, 1797; Ideen-Gewimmel Nr. 1464]

3. „Ich konnte nie mehr als drei Wege, glücklicher (nicht glücklich) zu werden, auskundschaften. Der erste, der in die Höhe geht, ist: so weit über das Gewölke des Lebens hinauszudringen, daß man die ganze äußere Welt mit ihren Wolfsgruben, Gebeinhäusern und Gewitterableitern von weitem unter seinen Füßen nur wie eine eingeschrumpftes Kindergärtchen liegen sieht. – Der zweite ist: gerade herabzufallen ins Gärtchen und da sich so einheimisch in eine Furche einzunisten, daß, wenn man aus seinem warmen Lerchennest heraussieht, man ebenfalls keine Wolfsgruben, Beinhäuser und Stangen, sondern nur Aehren erblickt, deren jede für den Nestvogel ein Baum und ein Sonnen- und Regenschirm ist. – Der dritte endlich – den ich für den schwersten und klügsten halte – ist der: mit den beiden andern zu wechseln.“ [Leben des Quintus Fixlein, 1796; I/4, 10]

4. „Vier Priester stehen im weiten Dom der Natur und beten an Gottes Altären, den Bergen; der eisgraue Winter mit dem schneeweißen Chorhemd, der sammelnde Herbst mit Ernten unter dem Arm, die er Gott auf den Altar legt und die der Mensch nehmen darf, der feurige Jüngling, der Sommer, der bis nachts arbeitet, um zu opfern, und endlich der kindliche Frühling mit seinem weißen Kirchenschmuck von Blüten, der wie ein Kind Blumen- und Blütenkelche um den erhabenen Geist herumlegt und an dessen Gebete alles mitbetet, was ihn beten hört. Und für Menschenkinder ist ja der Frühling der schönste Priester.“ [Die unsichtbare Loge, 1793; I/1, 62]

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