» Man verdirbt unter Leuten,
die einen nicht übertreffen. «

» Die Tat ist die Zunge des Herzens.«

» Weiber sprechen lieber von,
          Männer in der Liebe. «

» Bei Gott, alle Welt spricht,
und niemand kommt zu Wort. «

» Was alles Böses gegen das Bier
     bei Philosophen gesagt wird,
         gilt nicht bei mir. «

» Jeden Tag
     mache dich auf viele Wunder gefaßt. «

» Das Paradies verlieren
und den Paradiesvogel behalten. «

» Ein Kind sei euch heiliger als die
   Gegenwart, die aus Sachen
     und Erwachsenen besteht. «

     » Die Poesie ist die Aussicht
aus dem Krankenzimmer des Lebens. «

» Niemand hat weniger Ehrgefühl
      als eine Regierung. «

» Unter Denken eines bösen Gedankens
     auf der Gasse ehrerbietig gegrüßt werden. «

» Ich merke Namen so wenig,
daß ich oft vor dem Spiegel frage,
wie heißt der darin? «

» Eine Blattlaus hat mehr Ahnen
   als ein Elephant. «

» Die Blumen schlafen,
         aber nicht das Gras. «

» Auf der Welt ist alles natürlich,
       ausgenommen die Welt selber. «

» Hätte ich keine Bücher zu schreiben: ich wäre der beste Ehemann. «

» Man kommt leichter zu jedem
     andern als zu sich. «

» Nichts ist fataler, als wenn gerade
die letzte Flasche altes Bier schlecht ist. «

» Er ist ein besonderer Freund
       – von Feinden. «

» Die größten Städte und Genies
sind unregelmäßig gebauet,
voll Sackgassen und Paläste. «

» Entwirf beim Wein,
         exekutiere beim Kaffee. «

» Bücher sind nur dickere Briefe an Freunde. «

» Ein Rathhaus gehört zum Hausrath
       einer Stadt. «

» Eine Demokratie ohne ein paar hundert Widersprechkünstler ist undenkbar. «

     » Manches »Gesuchte« wäre es nicht,
        wenn der Verfasser mehr suchte. «

» Die Bücher sind die
        stehende Armee der Freiheit. «

Jean Paul und die Bibel – Facetten und Impulse

 

von Norbert Lüthy

 

„Die Menschen leugnen mit ebenso wenig Gefühl das göttliche Dasein als die meisten es annehmen.“ (Jean Paul)

„Ich wurde zu einer Zeit geboren, in der die Mehrheit der jungen Leute den Glauben an Gott aus dem gleichen Grund verloren hatte, aus welchem ihre Vorfahren ihn hatten – ohne zu wissen warum.“ (Fernando Pessoa)

0. Einleitung

Inhaltliche Ähnlichkeit und Spannungsfelder zwischen Epochen, denen die beiden Zitate entstammen, mögen andeuten, aus welcher dialektischen Mitte (welche immer auch eine verlorene, entzogene, vermisste, ersehnte, erahnte und geheimnisvoll lockende und ziehende Mitte ist) der anrührende und gefährdete Reichtum des Themas „Jean Paul und die Bibel“ fliesst.

Die nachfolgenden Versuche einer Annäherung wollen sich nicht an textlichen Grosskomplexen verheben. Sie wollen auch nicht eine Auswahl von Texten auf Erläuterungen hin durchackern, was an sich sehr lohnend ist und auch unumgehbar zum Eindringen und Erkunden des Themas. Die Versuche wollen drittens auch nicht durch eine Fracht von Zitaten aus Primär- und Sekundärliteratur ein halb- oder viertelprofessionelles Supplement zu der weitverstreuten und durch Passion auch oft profunden Jean Paul-Forschung bieten. Die nachfolgenden Erwägungen und Hinweise sind Versuche einer Verortung von Jean Paul-Texten „im Echoraum von Glaubenskrisen“, um die Literaturgeschichte in ihrem Bezug zur Bibel (natürlich oft gegen ihre Ambitionen) zu problematisieren und ein Stück weit befreit von ihrem Zwielicht zu betrachten.

Wenige und recht bekannte Texte („Schulmeisterlein Wutz“, „Das Kampaner Tal“, „Selbererlebensbeschreibung“, „Rede des toten Christus“) sollen für eine solche Verortung, d. h. hinsichtlich theologie- und frömmigkeits-geschichtlicher Koordinaten Referenztexte sein und mehr: Anlass, inwiefern das Proprium des christlichen Glaubens in ihnen aufleuchtet und die Ambivalenzen der Welterfahrung ins Bewusstsein trägt, deutet und damit an einer Rezeptions- und Wirkungsgeschichte partizipieren lässt, die zeitlich weit Entlegenes sub specie aeternitatis in einen Zusammenhang bringt, der in einer durch Säkularisierung und Rationalisierung allegorieblind gewordenen Neuzeit systemisch ausgeblendet scheint.

 

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„Jean Paul und die Bibel – Facetten und Impulse“ (vollständig)

 

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