» Die Blumen schlafen,
         aber nicht das Gras. «

» Die Bücher sind die
        stehende Armee der Freiheit. «

     » Manches »Gesuchte« wäre es nicht,
        wenn der Verfasser mehr suchte. «

» Ein Rathhaus gehört zum Hausrath
       einer Stadt. «

» Die größten Städte und Genies
sind unregelmäßig gebauet,
voll Sackgassen und Paläste. «

     » Die Poesie ist die Aussicht
aus dem Krankenzimmer des Lebens. «

» Das Paradies verlieren
und den Paradiesvogel behalten. «

» Ich merke Namen so wenig,
daß ich oft vor dem Spiegel frage,
wie heißt der darin? «

» Bücher sind nur dickere Briefe an Freunde. «

» Niemand hat weniger Ehrgefühl
      als eine Regierung. «

» Eine Blattlaus hat mehr Ahnen
   als ein Elephant. «

» Nichts ist fataler, als wenn gerade
die letzte Flasche altes Bier schlecht ist. «

» Hätte ich keine Bücher zu schreiben: ich wäre der beste Ehemann. «

» Jeden Tag
     mache dich auf viele Wunder gefaßt. «

» Unter Denken eines bösen Gedankens
     auf der Gasse ehrerbietig gegrüßt werden. «

» Man kommt leichter zu jedem
     andern als zu sich. «

» Weiber sprechen lieber von,
          Männer in der Liebe. «

» Was alles Böses gegen das Bier
     bei Philosophen gesagt wird,
         gilt nicht bei mir. «

» Man verdirbt unter Leuten,
die einen nicht übertreffen. «

» Ein Kind sei euch heiliger als die
   Gegenwart, die aus Sachen
     und Erwachsenen besteht. «

» Eine Demokratie ohne ein paar hundert Widersprechkünstler ist undenkbar. «

» Er ist ein besonderer Freund
       – von Feinden. «

» Bei Gott, alle Welt spricht,
und niemand kommt zu Wort. «

» Auf der Welt ist alles natürlich,
       ausgenommen die Welt selber. «

» Entwirf beim Wein,
         exekutiere beim Kaffee. «

» Die Tat ist die Zunge des Herzens.«

Endlichkeit und Unsterblichkeit - Schritte (2)

 

von Prof. Dr. Ortwin Beisbart

 

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Literatur

 

2/5 Fragen im Umkreis von Sterben – Tod – und Weiterleben
Strikt naturwissenschaftlich denkende Menschen halten sich nur an das Messbare und sagen, das Leben beginne mit der Zeugung und ende mit dem Tod. In der Tradition und Lehre von Philosophen und Theologen, aber auch bei vielen gläubigen Menschen – verschiedener Reli-gionen – haben sich jedoch verschiedene Deutungsbegriffe und Bilder gesammelt.
Dazu gehören:
        Gibt es einen Dualismus: Körper – Seele?
        Gibt es ein Leben nach dem Tode?
        In welchem Zusammenhang stehen Leben, Tod und Formen des
        Weiterlebens? Hängt eines vom anderen ab?
        Gibt es Unsterblichkeit? Wer oder was ist unsterblich?
        Was bedeutet ewiges Leben?
        Was bedeutet Aufstehung des Menschen?
        Gibt es eine Seelenwanderung, eine Wiedergeburt? Eine Neuschöpfung?
                        
        
Jean Pauls Die Klage ohne Trost haben Sie schon kennengelernt. Text 2
Jean Paul nennt dies „Vernichtglaube“ – Die Ausmalung eines Endes, eines ewigen Todes – der sein Zentrum im Sterben hat, eines Todes, der das ganze Leben mitbestimmt.
Das bedeutet ein Erschrecken, und ist für ihn ein Ansporn, ein bewusstes und auf Hoffnung gebautes Leben zu suchen.
Seine „Lösungen“ können wir am besten im Vergleich erkennen.
Stellen Sie einen solchen Vergleich an mit christlichen Überlieferungen von der Hölle. Denken Sie an mittelalterliche Darstellungen vom Jüngsten Gericht (z.B. am Fürstenportal des Bamberger Doms -> Text 7 (Abb.)


2/6 Denkrichtungen über den Tod hinaus
Die Welt der Toten ist die eine Denkrichtung, wie sie schon aus der Antike in die Vorstellun-gen der Menschen eingegangen ist, die man die eingekrümmte nennen kann.
Die Denkrichtung nach vorne, in eine andere, eine neue Zukunft fragt nach dem Weiterleben. Sowohl die Antike wie auch die christliche Tradition haben dazu manches ausgemalt zu er-zählen gewusst, über Unterwelt, Hölle, Himmel, Elysium usw.

Bemerkenswert ist nun, wie Jean Paul mit solcher Tradition umgeht.
Lesen Sie, wie er Auferstehung „inszeniert“ und in die Vorstellung hebt. Text 8
Außerdem könnten Sie zum Vergleich das sogenannte Höhlengleichnis des griechischen Phi-losophen Platon heranziehen. Text 9


2/7 Jean Pauls Stimme
Jean Paul haben Sie an den Beispielen bis hierher schon kennen gelernt als einen Autor, der sich nicht mit einfachen Antworten zufrieden gibt.
So schließt er sich wohl an Platon an, wenn der Fähigkeit des Menschen zeigt – der auch im Blick auf  Sterben und Tod in der Welt nicht nur die Vernichtung, nur die Katastrophe sehen kann, sondern, mit seiner natürlichen Anlage begabt, darüber hinauszublicken.
Er lässt ihn – aber auch sich selbst! - durch die Hölle der Todesangst gehen, weil er spürt, dass dahinter neue Welten sich auftun.
Aber er versucht, diese Welten nicht mit Mitteln der Philosophie zu beweisen, denn dies wür-de ja nur zu einer abstrakten, begrifflichen Sprache führen, die ebenfalls in ihrem Gefängnis stecken bliebe.
Er sieht nur einen Weg, nämlich mit den Augen eines Dichters zu sehen, in sprachlichen Bil-dern, mit eindrücklichen Schilderungen und Vergleichen und in Erzählungen von Menschen, die auf dem Weg zu Erfahrungen sind, ohne immer wieder sich selbst Zweifeln auszusetzen. Er will die Leser zu fesseln und sie so zu einem Bekenntnis der Zustimmung zu gewinnen: Der Tod mag eine Grenze sein, aber er ist kein Ende. Und dies darf Folgen haben für Leben und Sterben.

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